22.Mai 2019

„Das Engagement von Geflüchteten in Sachsen“

Große Resonanz beim Fachforum

Am 20. Mai fand in Dresden das Fachforum der Arbeiterwohlfahrt „Engagement Geflüchteter in Sachsen“ statt. Mehr als 100 Teilnehmer*innen hatten sich zu der Fachveranstaltung angemeldet. Damit wurden die Erwartungen des Landesverbands weit übertroffen.

Petra Köpping_Anne Röder
Staatsministerin Petra Köpping mit der Projektkoordinatorin Anne Röder

Nach der Begrüßung  durch die Landesvorsitzende der AWO Sachsen, Margit Weihnert, sprach Petra Köpping, die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, zum Thema Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe von geflüchteten Menschen in Sachsen. Frau Köpping fand klare Worte des Danks für die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen in den Wohlfahrtsverbänden, die sich seit vier Jahren unermüdlich für die Geflüchteten und ihre Integration einsetzen. Gerade in der chaotischen Anfangszeit 2015 wäre es ohne aktive Mitstreiterinnen wie der AWO nicht möglich gewesen, die strukturellen Rahmenbedingungen für diese überwältigende Aufgabe zu schaffen.

Frau Köpping stellte auch klar: Geflüchtete wollen sich in unsere Gesellschaft einbringen und nicht nur „nehmen“. Das anzuerkennen, wäre ein erster, wichtiger Schritt hin zur Akzeptanz, der großen gesellschaftlichen Herausforderung unserer Zeit. In dem Zusammenhang machte unsere Staatsministerin auch deutlich: Die Landtagswahl im September wird für Sachsen richtungsweisend sein, es gehe um nichts weniger als den Schutz unserer Demokratie.

Der Liga-Vorsitzende Matthias Mitzscherlich führte diese Gedanken in seinem Grußwort fort, indem er den Gedanke der Menschenwürde und des Miteinanders in den Mittelpunkt stellte.

Im Anschluss betonte Wilhelm Schmidt, Vorsitzender des Präsidiums des AWO Bundesverbands,  in seiner Rede die Verantwortung der Politik, den Wohlfahrtsverbänden eine konstante Arbeit auf dem Feld der Integrationsarbeit zu ermöglichen.  Mit der zumeist nur kurzfristigen angelegten Projektförderung in dem Bereich sei eine verlässliche Planung bisher jedoch kaum möglich.

Herzstück der Veranstaltung war die Präsentation erster Ergebnisse einer Studie, welche die AWO im Rahmen des Projekts „Bürgerschaftliches Engagement als Chance zur Inklusion von geflüchteten Menschen in Sachsen“ (2018 – 2020) durchführt. Das Projekt soll geflüchtete Menschen zu einem ehrenamtlichen Engagement motivieren, die Studie dazu dienen, herauszufinden, was sie benötigen, um sich zu engagieren.  Denn bisher ist wenig über das Engagement von geflüchteten Menschen in Sachsen bekannt.

Anne Röder, wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts, erläuterte die Vorgehensweise bei der Durchführung der Studie und  nahm eine erste Auswertung vor.  So zeigen die Ergebnisse, dass ein bürgerschaftliches Engagement von Geflüchteten in Sachsen sowohl von den Einsatzstellen wie auch den Geflüchteten überwiegend positiv bewertet wird und sich dadurch Partizipationsmöglichkeiten ergeben.  Anne Röder legte Motive und Einschätzungen aus Sicht der Geflüchteten ebenso wie der Einsatzstellen dar. Als nächster Schritt soll eine komplexe Auswertung der Studie erfolgen. Daraus sollen abschließend Standards entwickelt werden, wie Geflüchtete als neue Zielgruppe für bürgerschaftliches Engagement gewonnen werden können.  Nach Abschluss der Auswertung soll es 2020 noch einen weiteren Fachtag zum Thema geben.

Eine der wenigen Studien, die sich bundesweit bereits mit dem Engagement von Geflüchteten beschäftigt haben, stammt von dem Politikwissenschaftler Dr. Rudolf Speth. Dr. Speth betonte in seinem Inputvortrag „Empowerment Geflüchteter zum Engagement“, die wichtige Brückenfunktion, welche das bürgerschaftliche  Engagement auf den Weg in die Gesellschaft einnimmt. Es helfe, die Sprachkenntnisse und Fähigkeiten zu erweitern und nicht zuletzt einen Ort zu finden, an dem man gut leben kann.

Während der Mittagpause gab es im offenen Forum die Möglichkeit,  sich zu vernetzen und ins direkte Gespräch mit aktiven Vereinen und Organisationen aus der Flüchtlingsarbeit zu kommen. Neben verschiedenen Projekten der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen stellten sich hier ein Willkommensprojekt aus Bautzen, der Sächsische Flüchtlingsrat, der Weltclub Afropa aus Dresden, Arbeit und Leben und die Technische Universität Chemnitz vor.

Nach der Stärkung ging es dann in die Podiumsdiskussion „Engagement als Chance zur Teilhabe“, die von Dr. Adrienne Krappidel moderiert wurde. Diskutanten waren Sebastian Vogel (Sächsisches Staatsministerium für Gleichstellung und Integration), Dr. Eva Sturm (Vorständin Cellex-Stiftung), Emiliano Chaimite (Vorstandsvorsitzender Dachverband Sächsischer Migrantenorganisation), Susanne Beyer (AWO Bundesverband) und Dr. Rudolf Speth. Einig war man sich darüber, dass Arbeit ein entscheidender Faktor für gelingende Integration sein kann, diese Funktion aber auch von einem Ehrenamt ausgefüllt werden könne. Was die heiß diskutierte Frage mit sich brachte, was denn alles unter ehrenamtlichen Engagement zu verstehen sein – nur dass, was von uns institutionell erfasst wird? Oder auch die vielen täglichen Aktivitäten und Vernetzungen, die unter dem Radar ablaufen? Gar nicht so einfach, genauswenig wie die Frage, welcher Strukturen und Regeln es denn nun wirklich für ein erfolgreiches Engagement von Geflüchteten bedarf.

Einig war man sich aber am Ende dennoch: Das Engagement von Geflüchteten ist, wenn es richtig gestaltet wird, eine absolute Win-Win-Situation. Für die Menschen, die so ihre Sprache verbessern, sich weiterentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können genauso wie für die Einsatzstellen, die engagierte Mitstreiter*innen mit neuen Perspektiven und Ideen gewinnen.

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